Aus Gründen der Lesbarkeit wird bei Personenbezeichnungen und personenbezogenen Hauptwörtern bei diesen Regeln die männliche Form verwendet. Entsprechende Begriffe gelten im Sinne der Gleichbehandlung grundsätzlich für alle Geschlechter. Die verkürzte Sprachform hat nur redaktionelle Gründe und beinhaltet keine Wertung.
1 – WETTKAMPFREGELN
1.1 – KAMPFZEIT
- Klasse N 3 x 2 min – 1 min Pause (Ohne Knie zum Kopf)
- Klasse C 3 x 2 min – 1 min Pause (Full Muay Thai)
- Klasse B 3 x 3 min – 1 min Pause (Full Muay Thai)
- Klasse A 3 x 3 min – 1 min Pause (Full Muay Thai)
1.2 – REGELBRÜCHE / FOULS
- Schläge, Tritte und Stöße zum Hinterkopf, Genick oder zur Wirbelsäule
- Kopfstöße
- Beißen
- den Gegner anspucken
- Angriff auf einen am Boden liegenden, knienden oder sitzenden Gegner (ein anderes Körperteil als die Füße berührt den Boden)
- Missachtung der Anweisungen des Referees
- Provokative Verhaltensweisen (verbal oder physisch) während des Kampfs
- Ausspucken oder lösen des Zahnschutzes
- Absichtlich auf den Gegner fallen
- Vorgetäuschtes fallen nach einem Tritt, wenn das tretende Bein festgehalten wird
- Festhalten am Ring
- Schläge und Stöße mit Knie zum Kopf in der Klasse N und bei Kindern
- Schlagen mit der Innenhand oder Handkante
- Techniken aus dem Judo oder Ringen (u.a. Hüftwürfe, Schulterwürfe, Ausheben, Rückenbrechen)
- Sweeps mit der Fußinnenseite, Beinstellen, Verhakeln des Beins.
- Direkte Angriffe auf die Gelenke
- Kniestöße in die Leistengegend
- Absichtliche Tritte in die Leistengegend
Bei leichten Fouls wird der Kämpfer zunächst ermahnt (Kampf läuft weiter) und bei Wiederholung verwarnt (Kampf wird unterbrochen). Bei einer erneuten Wiederholung des Fouls wird das Foul angezeigt und entsprechend Punkt 3.2 Punkte abgezogen. Bei schweren, besonders schweren oder absichtlichen Fouls kann der Referee dem foulenden Kämpfer sofort Punkte abziehen oder ihn disqualifizieren. Gefoulten Kämpfern wird eine maximale Erholungszeit von 5 Minuten eingeräumt.
1.3 – ERLAUBTE TECHNIKEN
- Faustschläge und Tritte
- Rückhandschläge, als Schlagfläche ist nur der Handrücken erlaubt
- Schläge und Stöße mit dem Knie und dem Ellenbogen
- Werfen im Clinch
- Festhalten eines Beins des Gegners und gleichzeitiges Schlagen, Stoßen oder Treten (beliebig oft) und Werfen, dabei darf die haltende Person nur 2 Schritte gehen
2 – KAMPFVERLAUF
2.1 – KAMPFBEGINN UND UNTERBRECHUNG
- Kommandos zum Beginn oder zur Unterbrechung des Kampfes werden nur durch den Ringrichter gegeben.
- Der Kampf wird nach dem Kommando „Fight“ oder „Chok“ begonnen.
- Beim Kommando „Stop“ oder „Yuut“ haben die Kämpfer den Kampf zu unterbrechen.
- Beim Kommando “Yaek” oder “Break” haben sich die Kämpfer voneinander zu entfernen / den Clinch zu lösen
- Der Kampf wird erst nach dem Kommando „Fight“ oder „Chok“ fortgesetzt.
2.2 – ANZÄHLEN
- Wird einer der Kämpfer vom Ringrichter angezählt, so hat sich der andere Kämpfer selbständig in eine der neutralen Ecken zu begeben. Der Ringrichter kann den Kämpfer mit dem Kommando “Kao Mum” oder “neutrale Ecke” hierzu auffordern. Während dieser Zeit ist ein Gespräch mit den Betreuern nicht gestattet.
- Begibt sich der Kämpfer nicht von alleine in die neutrale Ecke, kann der Ringrichter das Anzählen solange unterbrechen, bis der Kämpfer sich in die neutrale Ecke begeben hat.
- Gezählt wird im Sekundenabstand zunächst bis 8. Zeigt der Kämpfer zu diesem Zeitpunkt keine Bereitschaft zum Fortsetzen des Kampfes an, so wird bis 10 durchgezählt und der andere Kämpfer zum Sieger durch KO erklärt.
- Angezählt werden nur niedergeschlagene Kämpfer, ein Anzählen im Stehen (Standing-8-count) findet nicht statt.
2.3 – PASSIVITÄT
- Passives Kampfverhalten beider Kämpfer wird durch den Ringrichter ermahnt.
- Verhalten sich beide Kämpfer trotz Ermahnung fortgesetzt passiv, so wird der Kampf ohne Entscheidung abgebrochen.
2.4 – VORZEITIGER ABBRUCH
- KO – Der Ringrichter hat einen der Kämpfer bis 10 angezählt.
- TKO – Der Ringrichter hat den Kampf abgebrochen.
Mögliche Gründe: Kampfaufgabe, Verletzung, Disqualifikation, massive Unterlegenheit einer der Kämpfer. - Foul – Kann einer der Kämpfer den Kampf durch ein absichtliches gegnerisches Foul nicht fortsetzen, so wird der Gegner disqualifiziert und der Gefoulte zum Sieger erklärt.
- Aufgabe
- Kann einer der Kämpfer den Kampf aufgrund eines versehentlichen Fouls nicht fortsetzen (z.B. unbeabsichtigter Kopfstoß), so wird der Kampf, sofern mehr als die Hälfte der Runden gekämpft wurde, nach Punkten entschieden. Anderenfalls wird der Kampf als „No Contest“ gewertet.
3 – BEWERTUNGS-RICHTLINIEN
3.1 – ALLGEMEINES
Kämpfer, die Schläge, Tritte, Knie und Ellbogentechniken als Muay Thai-Waffen einsetzen um gemäß den Regeln den Körper des Gegners korrekt, zielgerichtet und mit ausreichender Kraft anzugreifen und der Gegner nicht in der Lage ist sich zu verteidigen, werden nach folgenden Kriterien bewertet:
- Der Kämpfer, der mehr Muay Thai Techniken ausführt gewinnt die Runde
- Der Kämpfer der kraftvollere, wirkungsvollere und klarere Treffer landet, gewinnt die Runde
- Der Kämpfer der mehr Schaden erzeugt, gewinnt die Runde
- Der Kämpfer, der im Angriff eine effektivere Aggression zeigt, gewinnt die Runde
- Der Kämpfer, der überlegenes Können in Angriff, Verteidigung, Vermeidung und Kontern im Stil des Muay Thai zeigt, gewinnt die Runde
- Der Kämpfer, der weniger foult gewinnt die Runde
Im Sinne des Muay Thai werden Kick-, Knie- und Ellbogentechniken höher gewertet als Boxtechniken. Kampfführung im Stil des Muay Thai wird bevorzugt.
3.2 – PUNKTVERGABE
Gewertet wird nach dem 10-Point-Must-System. Jeder Kämpfer erhält je Runde maximal 10 Punkte.
- Der Gewinner einer Runde erhält somit 10 Punkte, der Verlierer 9 Punkte.
- Der Verlierer erhält 8 Punkte, wenn eine sehr deutliche Unterlegenheit in dieser Runde besteht
- Bei Ausgleich erhalten beide Kämpfer 10 Punkte.
- Verbotene Techniken sind nicht zu bewerten.
Ein Punktabzug wird unter folgenden Umständen vorgenommen
- Anzählen durch den Ringrichter 1 Punkt Abzug
- 1. Foul: 1 Punkt Abzug
- 2. Foul: 1 Punkt Abzug
- 3. Foul: Disqualifikation
Fouls werden durch den Ringrichter deutlich angezeigt. Erkennt der Ringrichter eine Technik nicht sofort als Foul, so kann er dazu die Punktrichter konsultieren. Oft wird dieses erst nach erfolgtem Anzählen erfolgen. Der daraus resultierende Punktabzug wird bei Bewertung der Technik als Foul durch den Ringrichter rückgängig gemacht. Dieses wird den Punktrichter vom Ringrichter deutlich mitgeteilt.
4 – ALLGEMEINE FESTLEGUNGEN
4.1 – KAMPFBEKLEIDUNG
Kurze Muay Thai-Hose + schwarzes enganliegendes T-Shirt, Tanktop oder Sport-BH.
Schutzausrüstung (Pflicht)
- Boxhandschuhe, gestellt vom Veranstalter, 12 Unzen
- 4,5m Bandagen an den Händen. Kein Einsatz von Tape zur Befestigung.
- Zahnschutz
- Tiefschutz aus Metall gefertigt
- Schienbein-Spannschutz (Strümpfe), gestellt vom Veranstalter
- Ellenbogenschutz, gestellt vom Veranstalter
- Oberkörperschutz für die Altersklasse 12-15 Jahre (Kinder und Kadetten)
- Kopfschutz für die Altersklassen U18, gestellt vom Veranstalter
Metallische Gegenstände wie Ringe, Ketten etc. sind verboten. Es ist nicht erlaubt, Vaseline oder Öl derart aufzutragen, um daraus unfaire Vorteile im Kampf zu erlangen (z.B. im Nacken so das Clinchen erschwert wird).
4.2 – GEWICHTS- & ALTERSKLASSEN
Gewogen wird 2 Stunden vor Veranstaltungsbeginn. Sollte ein Kämpfer das angegebene Gewicht nicht einhalten, so wird ihm 1 Stunde Zeit gegeben dieses herzustellen. Schafft er es nicht, findet der Kampf nicht statt. Alle Kämpfe müssen in den offiziellen Gewichtsklassen der MTS ausgeführt werden. Mit Ausnahmeregel sind Catchweight Fights möglich.
Die Gewichtsklassen:
- Minimumgewicht 35,00 bis 39,00 kg
- Papiergewicht bis 42,00 kg
- Nadelgewicht bis 45,00 kg
- Halbfliegengewicht bis 48,00 kg
- Fliegengewicht bis 51,00 kg
- Bantamgewicht bis 54,00 kg
- Federgewicht bis 57,00 kg
- Leichtgewicht bis 60,00 kg
- Halbweltergewicht bis 63,50 kg
- Weltergewicht bis 67,00 kg
- Halbmittelgewicht bis 71,00 kg
- Mittelgewicht bis 75,00 kg
- Halbschwergewicht bis 81,00 kg
- Cruisergewicht bis 86,00 kg
- Schwergewicht bis 91,00 kg
- Superschwergewicht über 91,00 kg
4.2 – KAMPF- & ALTERSKLASSEN
Kampfklassen
Kämpfer können nur in den ihnen entsprechenden Leistungsklassen kämpfen:
- N-Klasse – bis zu 3 Kämpfe
- C-Klasse – bis zu 10 Kämpfe
- B-Klasse – bis zu 25 Kämpfe
- A-Klasse – ab 26 Kämpfe
Zeichnen sich Kämpfer durch besondere kämpferische Fähigkeiten aus oder haben bereits in anderen Kampfarten Erfahrungen gesammelt, können sie bereits früher in die nächsthöhere Leistungsklasse wechseln.
Altersklassen
- Kinder 10 – 11 Jahre
- Kadetten 12 – 14 Jahre
- Junioren 15 – 17 Jahre
- Senioren ab 18 Jahre bis 40 Jahre
Besondere Regeln für Kinder
(10-11 Jahre)
- keine Schläge und Tritte zum Kopf
- es werden 3 mal 1 Minute gekämpft
- Oberkörperschutz ist Pflicht
Besondere Regeln für Kadetten
(12-14 Jahre)
- keine Ellenbogen und Knietechniken zum Kopf
- Oberkörperschutz ist Pflicht
4.3 – DER RING
- Der Ring hat eine quadratische Grundfläche, mit einer Seitenlänge von 5 – 7 Meter.
- Es sind 3 – 4 gepolsterte Seile straff gespannt anzubringen.
- Leicht federnder, gepolsterter und abgespannter Boden.
- Diagonal die rote und die blaue Ecke, die neutralen Ecken weiß gekennzeichnet.
4.4 – DAS KAMPFGERICHT
Das Kampfgericht besteht aus:
- 1 Ringrichter
- 3 Punktrichtern
- 1 Zeitnehmer
- optional bei Titelkämpfen: 1 Protokollführer
4.4.1 – RINGRICHTER
Vor dem Beginn der Kämpfe weist der Ringrichter die Kämpfer und deren Betreuer in die Regeln ein. Direkt vor dem Kampf kontrolliert der Ringrichter im Ring die Handschuhe, Kleidung und die Körper der Kämpfer auf Regelkonformität. Danach ruft er die Kämpfer zur Ringmitte und unterweist sie nochmals kurz in die wesentlichen Regeln (im Wesentlichen die Verbote). Dann werden die Kämpfer in ihre Ecken zurückgeschickt und der Kampf freigegeben, wenn alle Betreuer den Ring verlassen haben und das Kampfgericht seine Bereitschaft signalisiert hat.
4.4.2 – PUNKTRICHTER
Die Punktrichter bewerten den Kampf gemäß den Bewertungsrichtlinien auf Punktzetteln und achten mit auf die Einhaltung der Regeln, sodass der Ringrichter sie bei Bedarf konsultieren kann. Nach dem Kampf füllen sie die Punktzettel vollständig aus und übergeben diese dem Ringrichter, welcher die Punktzettel von den Punktrichtern einsammelt.
4.4.3 – ZEITNEHMER
Der Zeitnehmer misst die Kampfzeit und signalisiert das Ende der Kampfzeit durch das Läuten der Glocke. Unterbrechungen der Zeitmessung werden ihm vom Ringrichter angezeigt (Timeout-Handzeichen T). 10 Sekunden vor Beginn der nächsten Runde signalisiert er dieses durch lautes Klopfen der Glocke. Wird ein Kämpfer während des Ablaufes der Kampfzeit angezählt, so wird die Glocke nur in der letzten Runde geschlagen, sonst erst, wenn das Anzählen beendet ist.
4.5 – BETREUER
Je Kämpfer sind maximal 3 Betreuer am Ring zugelassen. Während des Kampfes haben diese sich außerhalb des Ringes aufzuhalten. Die Betreuer haben den Anweisungen des Kampfgerichtes Folge zu leisten und sich während des Kampfes angemessen und ruhig zu verhalten. Beleidigen oder herabwürdigen des gegnerischen Teams / Kämpfers sind nicht erlaubt.
Während der Kampfpausen dürfen sich nicht mehr als 2 Betreuer im Ring befinden.
